Krankengeld – Wieviel bekommst Du als Arbeitnehmer?

Das Wichtigste in Kürze
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Wenn Du länger als sechs Wochen krankgeschrieben bist, bekommst Du Krankengeld von Deiner Krankenkasse – anstatt des Lohns von Deinem Chef.
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Beim Krankengeld erhältst Du üblicherweise nur 70 Prozent Deines Bruttolohns. Achtung: Du bekommst höchstens 120,75 Euro am Tag, unabhängig davon, wie hoch Dein Lohn ist.
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Dafür bekommst Du es ganze 72 Wochen lang. Das ist mehr als ein Jahr!
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Das Krankengeld bekommst Du automatisch. Du musst keinen extra Antrag stellen.
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Achte unbedingt darauf, dass Du nahtlos krankgeschrieben bleibst. Nur so bekommst Du Krankengeld.
In diesem Ratgeber
1
Was ist Krankengeld?
2
Wann steht mir Krankengeld zu?
3
Wie viel Geld bekomme ich?
4
Wie komme ich an Krankengeld?
5
Wie lange bekomme ich Krankengeld?
6
Die Kassen machen oft Ärger – Das kannst ich tun!
7
Das Krankengeld läuft aus – Welche Möglichkeiten habe ich?
8
Krank und Kündigung?
Bei einer langen Krankheit steht Deine Genesung im Mittelpunkt – Dein Job muss sich hinten anstellen. Damit Du Dir um Deine Finanzen trotzdem keine Sorgen machen musst, gibt es Krankengeld. Nach sechs Wochen Krankheit kriegst Du Dein Geld nicht mehr von Deinem Chef, sondern von der Krankenkasse.
In diesem Artikel erklären wir Dir alles rund ums Krankengeld.
1.
Was ist Krankengeld?
Wenn Du krank wirst, zahlt Dir Dein Chef sechs Wochen lang Deinen Lohn weiter (Lohnfortzahlung). Danach muss er das nicht mehr machen:
Ab der sechsten Woche bekommst Du Krankengeld von Deiner Krankenkasse. Das Krankengeld beträgt weniger als Dein Lohn (ca. 70 Prozent). Aber es ist eine Stütze! Du bekommst es, so lange Du durchgehend krankgeschrieben bleibst. Und das bis zu 72 Wochen lang!
Übrigens
Wenn Du einen neuen Job anfängst, springt die Krankenkasse noch früher ein. Dein Chef muss Dir im Krankheitsfall nämlich nur Deinen Lohn zahlen (Lohnfortzahlung), wenn Du seit mindestens vier Wochen bei ihm angestellt bist. Wenn Du davor krank wirst, bekommst Du sofort Krankengeld.
2.
Wann steht mir Krankengeld zu?
Um Krankengeld zu bekommen, musst Du diese drei Voraussetzungen erfüllen:
- Du bist angestellt und gesetzlich krankenversichert?
- Du bist länger als sechs Wochen krankgeschrieben?
- Du bist durchgehend wegen derselben Krankheit krankgeschrieben?
Achtung!
Als Rentner, Student, Minijobber, Familienversicherter und Bürgergeldempfänger hast Du keinen Anspruch auf Krankengeld, weil Du keine Beiträge an die Krankenversicherung zahlst. Auch als Selbständiger oder Künstler kriegst Du nicht einfach so Krankengeld. Dafür musst Du eine zusätzliche Versicherung abschließen.
3.
Wie viel Geld bekomme ich?
Du kannst mit ungefähr 70 Prozent Deines Bruttoeinkommens rechnen. Aber: es gibt eine Deckelung bei 120,75 Euro brutto am Tag. Das ist die einfache Erklärung. Im Detail ist es etwas komplizierter:
- Du bekommst entweder 70 Prozent Deines Bruttogehalts oder 90 Prozent Deines Nettogehalts, je nachdem welcher Betrag niedriger ist. Dein Krankengeld ist immer der geringere Betrag.
- Dabei ist das tägliche Gehalt entscheidend, nicht das monatliche. Für jeden Tag, den Du krank bist, bekommst Du einen Tag Gehalt.
- Dabei werden Sonderzahlungen wie zum Beispiel Weihnachtsgeld mitgerechnet, die Du in den letzten zwölf Monaten bekommen hast.
- Von dem endgültigen Betrag werden dann noch Sozialabgaben abgezogen, also zum Beispiel Zahlungen in die Renten- und Arbeitslosenversicherung.
- Was übrig bleibt, ist Dein Krankengeld.
Beispiel
Marc ist Pfleger und verdient monatlich 3.000€ Brutto. Auf seinem Konto landen nach allen Abzügen 2.180€ Netto.
Nach einem Fahrradunfall liegt Marc eine Weile flach. Sein Arzt schreibt ihn für elf Wochen krank. Die ersten sechs Wochen bekommt Marc Lohnfortzahlung von seinem Chef, also sein volles Nettogehalt.
Für die verbleibenden fünf Wochen erhält er Krankengeld. Die Kasse guckt sich jetzt an, welcher Betrag kleiner ist: 70 Prozent von seinem Brutto oder 90 Prozent von seinem Netto? Weihnachtsgeld oder andere Sonderzahlungen hat Marc in den letzten zwölf Monaten nicht bekommen. Bei Marc ist der Nettowert pro Tag kleiner als der Bruttowert pro Tag. 90 Prozent seines Nettolohns pro Tag sind 65,40 €. Diesen Lohn multipliziert man dann mal 25 (Fünf Wochen Krankengeld bei einer 5-Tageswoche: 25 Tage). Monatlich ergibt das eine Summe von 1. 635€, wobei davon noch Abgaben fällig sind.
Mit Abgaben kommt Marc also auf ein Krankengeld von 1.290,83 € €. Das sind um die 900 €, die er jetzt weniger bekommt als normalerweise.
Wie viel Krankengeld bekomme ich genau?
Wir empfehlen Dir den Rechner der TK: Krankengeldrechner.
4.
Wie komme ich an Krankengeld?
An Krankengeld kommst Du “automatisch”, wenn Du ohne Unterbrechung krankgeschrieben bist. Um den Rest kümmert sich Dein Chef. Dazu ist er gesetzlich verpflichtet.
Nach sechs Wochen Krankheit — also kurz bevor die Lohnfortzahlung endet – prüft Deine Krankenkasse Deinen Anspruch. Sie fragt Deinen Chef nach den nötigen Informationen, um Dein Krankengeld zu berechnen. Du brauchst nichts auszufüllen.
Du musst Dich nur um eins kümmern: Deine Krankschreibung muss an die Krankenkasse geschickt werden! Inzwischen gibt es das elektronische Attest. Das übermittelt Dein Arzt automatisch an die Kassen. Frag aber nochmal bei Deinem Hausarzt nach, ob sie Krankschreibungen digital übermitteln. Nicht alle Praxen haben sich schon darauf umgestellt! Sonst musst Du Deine Krankschreibung selbst an Deine Krankenkasse senden.
Mehrere Krankschreibungen hintereinander: Die Folgebescheinigung
Dein Arzt schreibt Dich meistens erstmal für einen kürzeren Zeitraum krank. Wenn Du immer noch krank bist, bekommst Du eine “Folgebescheinigung”. Dabei darf keine Lücke entstehen: Es darf kein Tag vergehen, an dem Du nicht krankgeschrieben bist! Am besten machst Du jeweils ein paar Tage vor dem Ende Deiner Krankschreibung einen neuen Termin beim Arzt. So verpasst Du das Ende Deiner Krankschreibung nicht!
5.
Wie lange bekomme ich Krankengeld?
Du bekommst Krankengeld für dieselbe Erkrankung maximal 72 Wochen innerhalb von drei Jahren. Das sind etwas weniger als eineinhalb Jahre. Diese Zeit musst Du nicht durchgehend krankgeschrieben sein: die Zeiträume werden zusammengezählt.
Warst Du 3 Jahre nicht mehr krankgeschrieben wegen der gleichen Krankheit, dann beginnt der Anspruch auf Krankengeld von vorne.
Beispiel
Du bist 3 Monate krank wegen Rücken. Dann arbeitest Du 2 Monate. Dann hast Du wieder Rücken und fällst 3 weitere Monate aus. Du fällst hier direkt wieder ins Krankengeld. Und die Zeiträume werden zusammengerechnet: Insgesamt sind 6 Monate Krankengeld verbrauacht.
Übrigens
Oft findest Du die Info, dass Du Krankengeld für 78 Wochen bekommst. Das stimmt auch! Doch davon werden die sechs Wochen Lohnfortzahlung von Deinem Chef abgezogen. Tatsächlich bleiben Dir also noch 72 Wochen Krankengeld.
6.
Die Kassen machen oft Ärger – Das kannst ich tun!
Krankengeld steht Dir zu. Und meist verläuft die Zahlung ohne Probleme! Aber manchmal sträuben sich die Kassen und machen Dir das Leben unnötig schwer. Wir zeigen, wie Du am besten damit umgehst:
Das Krankengeld wird Dir gestrichen - aus heiterem Himmel?
Deine Kasse schreibt Dir, dass Du wieder arbeiten kannst und das Krankengeld endet. Dabei berufen sie sich auf ein Gutachten des Medizinischen Dienstes. Das sind die Ärzte und Berater, die mit der Kasse zusammenarbeiten. Dabei wurdest Du nie von denen untersucht! Und genau das ist das Problem: Der Medizinische Dienst erstellt ein Gutachten oft einfach aus Akten. Wird auf Grundlage so eines Gutachtens das Krankengeld entzogen, kannst Du Dich dagegen innerhalb eines Monats wehren.
Hol Dir Hilfe!
Will Deine Krankenkasse Dir das Geld streichen oder Dich zu einer Reha zwingen, solltest Du widersprechen! Für Unterstützung gibt es zum Beispiel die Unabhängige Patientenberatung (UPD) oder auch den Sozialverband VDK. Sie können Dich beraten und Dir sogar bei einem Widerspruch helfen.
7.
Das Krankengeld läuft aus – Welche Möglichkeiten habe ich?
Was nach dem Krankengeld kommt, hängt von Deiner Gesundheit ab. Bist Du wieder gesund, heißt es: Zurück zur Arbeit! Dann kriegst Du wieder Deinen normalen Lohn. Doch was ist, wenn Du nach 78 Wochen immer noch krank bist?
Du wirst langsam fitter – schrittweise zurück zur Arbeit!
Du musst nicht von Null auf Hundert einsteigen. Vielleicht passt es zu Deiner Gesundheit besser, es langsam anzugehen. Dafür gibt es zum Beispiel das Hamburger Modell. Dabei fängst Du Schritt-für-Schritt an zu arbeiten. Das Hamburger Modell ist aber nur eine Option, wenn Du noch Krankengeld bekommst. Es bietet sich an, kurz bevor Dein Anspruch zu Ende geht.
Du bist nach 78 Wochen weiterhin krank, aber es gibt Aussicht auf Besserung.
Wenn es Aussicht auf Besserung gibt, kannst Du Bürgergeld bekommen; das hängt aber von der Einschätzung Deiner Krankenkasse ab.
Du bist weiterhin krank und wirst auch in Zukunft nicht mehr arbeiten können.
Dann bist Du “erwerbsunfähig”. In diesem Fall kannst Du die sogenannte Erwerbsminderungsrente beantragen. Dabei musst Du jedoch mit deutlich weniger Geld rechnen.
8.
Krank und Kündigung?
Du bist krank und Dein Chef will Dir kündigen? Das geht nicht so einfach! Die gesetzlichen Hürden für eine krankheitsbedingte Kündigung liegen in Deutschland sehr hoch. Es gibt sehr viele Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. Da kannst Du Dich gut zur Wehr setzen! Wir helfen Dir dabei. Unsere Anwälte sind auf Kündigungssituationen spezialisiert. Gemeinsam erkämpfen wir Dir eine Abfindung - oder holen Dir Deinen Job zurück. Melde Dich hier für eine kostenfreie telefonische Beratung an!
Fazit
Das Krankengeld soll Dich bei der Genesung unterstützen. Nur wenn Du finanziell abgesichert bist, kannst Du gesund werden. Damit Du Krankengeld bekommst, musst Du lückenlos krankgeschrieben sein. Darauf musst Du achten! Wir hoffen, dass unser Artikel alle Deine Fragen zum Krankengeld beantwortet hat.
Mit einem guten Verhandlungspartner an Deiner Seite stehen Deine Chancen sehr gut, eine dicke Abfindung abzusahnen. Bei cleverklagen arbeiten wir mit hochqualifizierten Anwälten für Arbeitsrecht, die Dich gerne unterstützen. Die erste Beratung bei cleverklagen ist immer kostenfrei!
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