Dein Arbeitsvertrag – Das muss rein, das musst Du wissen!

Das Wichtigste in Kürze
- In Deinem Arbeitsvertrag steht alles Wichtige, was Deinen Job betrifft.
- Dazu gehören Dein Lohn, Urlaub, bezahlte Krankheitstage, Kündigungsfrist und mehr.
- Es ist wichtig, Deinen Arbeitsvertrag gründlich zu lesen und bei Unklarheiten einen Anwalt für Arbeitsrecht zu fragen. Sonst können für Dich Nachteile entstehen!
- Klauseln, die Deine Rechte einschränken oder unzulässig sind, solltest Du mit dem Arbeitgeber besprechen. Die sollten bestenfalls geändert werden.
In diesem Ratgeber
1
Was macht einen Arbeitsvertrag aus?
2
Was muss in Deinem Arbeitsvertrag stehen?
3
Aufpassen! Diese Klauseln sind nicht erlaubt!
4
Lass den Vertrag vom Anwalt prüfen!
5
Deine Checkliste für Deinen Arbeitsvertrag!
6
Vor Unterzeichnung: Gehaltsverhandlung!
7
Muss ein Arbeitsvertrag schriftlich sein?
Arbeitsverträge sind meistens lang und unübersichtlich. Du willst wissen, worauf Du wirklich achten musst? In diesem Artikel erklären wir Dir, was alles in Deinen Arbeitsvertrag gehört und was dort nichts zu suchen hat.
1.
Was macht einen Arbeitsvertrag aus?
Dein Arbeitsvertrag ist die rechtliche Basis für Dein Arbeitsleben. Der Vertrag enthält Infos zu der Art der Arbeit, Deinem Gehalt, den Arbeitszeiten und anderen Vereinbarungen. Wenn Dein Chef diese Abmachungen nicht einhält, kannst Du Dir Hilfe von einem Anwalt holen! Es gibt vor allem zwei Arten von Arbeitsverträgen: befristete und unbefristete.
- Ein unbefristeter Arbeitsvertrag läuft so lange, bis jemand kündigt oder Du in Rente gehst.
- Ein befristeter Arbeitsvertrag ist nur für eine bestimmte Zeit gültig, zum Beispiel für zwei Jahre oder projektbezogen. Danach endet das Arbeitsverhältnis automatisch, ohne dass gekündigt werden muss.
Wenn Dir Dein Chef einen Arbeitsvertrag zum Unterschreiben vorlegt, nimm Dir Zeit, um alles in Ruhe durchzulesen. Denn: Wenn Du Punkte findest, die Dir nicht gefallen, kannst Du diese verhandeln! Zeig hier keine falsche Scheu. Denn die Arbeitsbedingungen lassen sich nach der Unterzeichnung nur noch schwer ändern!
2.
Was muss in Deinem Arbeitsvertrag stehen?
In einem Arbeitsvertrag kann so gut wie alles festgehalten werden. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Einige wichtige Punkte sollten jedoch in keinem Arbeitsvertrag fehlen:
Beginn des Arbeitsverhältnisses
Legt gemeinsam fest, ab wann das Arbeitsverhältnis losgeht. In der Regel wird das genaue Datum des Arbeitsbeginns im Vertrag angegeben. Dadurch wird Klarheit für euch beide geschaffen, ab wann es losgeht.
Arbeitsinhalte und Beschreibung der Tätigkeiten
Schreibt genau auf, was Deine Arbeitsinhalte sind. Das vermeidet Missverständnisse. Es sollte detailliert beschrieben werden, welche Tätigkeiten regelmäßig anfallen und welche besonderen Aufgaben es gibt.
Arbeitszeit und Arbeitsort
Ihr solltet den Arbeitsort und die Arbeitszeit aufschreiben. Also, wann und wo Du Deine Arbeit zu verrichten hast. Das beinhaltet:
- die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit
- Regelungen zu flexiblen Arbeitszeiten
Auch der Hauptarbeitsort wird angegeben, was besonders wichtig ist, falls Du Homeoffice oder wechselnde Arbeitsorte vereinbart hast.
Aufgepasst!
Du darfst maximal acht Stunden pro Tag und in einer Sechstagewoche maximal 48 Stunden arbeiten. Zusätzlich kommen pro Tag zwei mögliche Überstunden. Ab sechs Stunden Arbeit musst Du eine Pause von mindestens 30 Minuten nehmen!
Probezeit
Ihr solltet im Arbeitsvertrag eine Probezeit festlegen. Wenn im Vertrag nichts dazu steht, gibt es für Dich keine Probezeit.
Die Probezeit ist ein festgelegter Zeitraum, in dem euer Arbeitsverhältnis mit einer kürzeren Frist von zwei Wochen gekündigt werden kann. Sie dient dazu, sich gegenseitig kennenzulernen. Wenn Dein Chef eine Probezeit von mehr als sechs Monaten vorschlägt, solltest Du nochmal nachhaken. Das ist nämlich nicht erlaubt. Alles, was Du noch zur Probezeit wissen solltest, kannst Du hier nachlesen.
Urlaubsanspruch
Im Vertrag legt ihr fest, wieviel Urlaub Dir zusteht. Es gibt gesetzlichen Mindesturlaub, der nicht unterschritten werden darf (20 Tage pro Jahr, bei Vollzeit). Ihr könnt aber mehr Urlaub festlegen! Außerdem einigt ihr euch auf Regelungen zur Übertragung und Auszahlung von nicht genommenem Urlaub, falls am Ende des Jahres mal ein paar Tage Urlaub übrig bleiben.
Gehalt und Sonderzahlungen
Im Arbeitsvertrag haltet ihr Dein Gehalt fest. Außerdem, wann Du das Geld bekommst. Beispielsweise monatlich oder wöchentlich. Auch Sonderzahlungen wie Boni oder Provisionen sollten hier erwähnt werden.
Beachte: Es gilt der gesetzliche Mindestlohn. Dein Chef darf Dir nicht weniger anbieten! Das ist illegal. Die einzigen Ausnahmen hiervon sind: Auszubildende, Pflichtpraktikanten, Ehrenamtliche und Langzeitarbeitslose.
Hinweis
Wir raten Dir dringend, vor Unterzeichnung des Vertrages Dein Gehalt zu verhandeln! Hier erklären wir Dir, wie Du das machst.
Kündigungsfrist
Im Arbeitsvertrag legt ihr die Kündigungsfrist fest. Die Kündigungsfrist gibt an, wie lange im Voraus eine Kündigung ausgesprochen werden muss, um wirksam zu sein. Es gibt gesetzlich festgelegte Mindest-Kündigungsfristen, die nicht verkürzt werden dürfen. Während der Probezeit sind das zwei Wochen, danach mindestens vier Wochen. Ihr dürft im Arbeitsvertrag aber längere Fristen vereinbaren!
Übrigens: Die Frist für Deinen Chef darf niemals kürzer sein, als die Frist, die gilt, wenn Du kündigst. Das ist ungültig! Alles, was Du über Kündigungsfristen wissen musst, kannst Du hier nachlesen.
Homeoffice
Dieser Abschnitt behandelt, ob und unter welchen Bedingungen Homeoffice möglich ist. Ihr solltet klare Regelungen zu den Arbeitszeiten im Homeoffice sowie zur Ausstattung und Erreichbarkeit treffen. Auch Haftungsfragen und Datenschutz im Homeoffice können hier geregelt werden.
Fristen für Krankmeldungen
Die Fristen für Krankmeldungen regeln, wie schnell Du Deinen Arbeitgeber im Krankheitsfall informieren muss. Üblicherweise muss eine Krankmeldung spätestens am dritten Krankheitstag vorliegen.
Überstundenregelung
Hier wird geklärt: Bekommst Du Deine Überstunden ausgezahlt, oder musst Du sie in Freizeit einlösen? Je nach Branche gibt es hier bestimmte regeln zu den maximalen Urlaubstagen und Ausgleichstagen.
Konkurrenz- und Geheimhaltungsklauseln
Diese Klauseln verhindern, dass Du für Konkurrenzunternehmen arbeitest oder Betriebsgeheimnisse ausplauderst. Oft sind solche Klauseln mit “Vertragsstrafen” verbunden, falls Du gegen sie verstößt. Dann musst Du beispielsweise Geld zahlen, falls Du gegen die Abmachung verstößt. Das ist weit verbreitet, Du brauchst nicht erschrecken, wenn Du so etwas siehst.
Meldepflicht für Nebenerwerb
Wenn Du einen weiteren Job hast, musst Du das Deinem Chef sagen und Dir dafür Zustimmung holen. Der andere Job sollte Deinen Hauptberuf nicht einschränken. Unter bestimmten Umständen kann Dein Chef den Nebenjob sogar verbieten. Wir empfehlen Dir, bei dem Thema ganz transparent zu sein. Das spart Dir späteren Stress und vielleicht sogar eine Kündigung.
Ausschlussklausel
Die Ausschlussklausel gibt eine Frist vor, in der Du Ansprüche aus Deinem Arbeitsvertrag wahrnehmen kannst. Läuft die Frist ab, verfällt Dein Anspruch.
Beispiel
Du hängst Dich im Mai richtig rein und sammelst viele Überstunden. Die willst Du Dir natürlich entweder auszahlen lassen, oder in Freizeitausgleich umwandeln. Jetzt steht in Deinem Vertrag eine Ausschlussklausel mit einer Frist von drei Monaten. Das bedeutet, dass Du bis spätestens Ende August Zeit hast, Deine Überstunden einzulösen. Danach verfallen Deine Überstunden.
Salvatorische Klausel
Die Salvatorische Klausel sorgt dafür, dass der Vertrag insgesamt gültig bleibt, auch wenn ein kleiner Teil nicht umsetzbar oder ungültig ist. Ungültige Punkte werden entweder rausgenommen, oder durch die nächstbeste Klausel ersetzt.
Beispiel:
Wenn im Arbeitsvertrag eine Probezeit von einem Jahr angegeben ist, ist das ungültig. Die Probezeit darf laut Gesetz nur sechs Monate lang sein. Daher beträgt die Probezeit mit salvatorischer Klausel automatisch sechs Monate, obwohl etwas anderes geschrieben steht.
Achtung!
Dein Chef darf sich nicht über gesetzliche Bestimmungen hinwegsetzen! Er darf Dich zum Beispiel nicht zu einer höheren Arbeitszeit verpflichten, als im Arbeitszeitgesetz festgelegt ist. Auch den gesetzlichen Mindesturlaub oder den Mindestlohn darf er nicht unterschreiten.
3.
Aufpassen! Diese Klauseln sind nicht erlaubt!
Viele Menschen denken, wenn etwas in einem Vertrag steht, dann gilt das auf jeden Fall. Aber das ist nicht so. Es gibt Dinge, die "ungültig" sind, selbst wenn sie im Vertrag stehen. Einige Arbeitgeber versuchen, das fehlende Wissen des Mitarbeiters auszunutzen und unzulässige Klauseln in den Vertrag zu mogeln. Wir zeigen Dir, wie Du sie erkennst! Beispiele für unzulässige Klauseln:
Verzicht auf Kündigungsschutz
Eine Klausel, die Dich dazu verpflichtet, auf Deinen gesetzlichen Kündigungsschutz zu verzichten, ist unzulässig.
Überstunden ohne Vergütung
Eine Klausel, die vorsieht, dass Du eine unbestimmte Anzahl von Überstunden ohne zusätzliche Vergütung oder Freizeitausgleich leisten musst, ist unzulässig.
Vertragsstrafen
Eine Klausel, die Dich zur Zahlung einer Vertragsstrafe verpflichtet, wenn Du bestimmte Verpflichtungen nicht erfüllst, ist oft unzulässig.
Verschwiegenheitsklausel über Dein Gehalt
Du darfst mit Deinen Kollegen über Dein Gehalt sprechen, auch wenn das im Arbeitsvertrag verboten ist.
Zu geringes Gehalt
Dein Chef darf Dir nicht weniger zahlen als den Mindestlohn.
Verkürzte Kündigungsfristen
Die gesetzlichen Kündigungsfristen dürfen nicht unterschritten werden!
4.
Lass den Vertrag vom Anwalt prüfen!
Arbeitsverträge sind kompliziert formuliert. Es ist wichtig, dass Du jeden Abschnitt sorgfältig liest und Deine Rechte und Pflichten verstehst, bevor Du unterschreibst. Wenn Du unsicher bist, solltest Du Deinen Arbeitsvertrag von einem Anwalt prüfen lassen. Melde Dich dafür bei uns! Hier kannst Du ein kostenfreies Beratungsgespräch vereinbaren. Wir schauen uns Deinen Arbeitsvertrag an und geben Dir Ratschläge, an welchen Punkten Du nochmal nachverhandeln solltest.
5.
Deine Checkliste für Deinen Arbeitsvertrag!
- Ist der Arbeitsvertrag schriftlich?
- Sind alle wesentlichen Punkte wie Arbeitszeit, Gehalt, Urlaubsanspruch und Kündigungsfristen enthalten?
- Sind Deine Aufgaben und Pflichten klar definiert?
- Sind die Arbeitszeiten klar geregelt? Gibt es Regelungen zu Überstunden?
- Sind Dein Gehalt und mögliche Zusatzleistungen wie Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld klar geregelt?
- Gibt es eine Klausel zur Probezeit? Achte hier auf die Dauer, länger als sechs Monate sind nicht erlaubt.
- Stehen die Kündigungsfristen im Einklang mit dem Gesetz?
- Gibt es Klauseln, die Dich benachteiligen oder gegen das Gesetz verstoßen?
- Sind Regelungen zu Krankheit und Urlaub enthalten?
- Gibt es eine Regelung zur Geheimhaltung und zum Datenschutz?
6.
Vor Unterzeichnung: Gehaltsverhandlung!
Verhandle Dein Gehalt gut, denn Gehaltserhöhungen sind später schwerer durchzusetzen. Seit 1. Januar 2024 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 12,41 Euro brutto je Stunde und wird 2025 auf 12,82 Euro erhöht. Im öffentlichen Dienst kannst Du über die Stellenbeschreibung Deine Tarifgruppe verbessern.
7.
Muss ein Arbeitsvertrag schriftlich sein?
Nicht zwingend. In der Regel unterschreiben Du und Dein Chef einen schriftlichen Arbeitsvertrag, aber das ist rechtlich nicht notwendig. Auch ein Vertrag per E-Mail oder mit digitaler Unterschrift sind wirksam. Selbst mündlich geschlossene Arbeitsverträge sind gültig. Nur bei befristeten Arbeitsverträgen ist immer die Schriftform erforderlich – eine mündliche Vereinbarung reicht hier nicht.
Hinweis
Aber egal ob befristet oder nicht, wir empfehlen immer die schriftliche Variante. Im Streitfall kannst Du sonst schwer nachweisen, was vereinbart war.
Fazit
Du siehst, ein Arbeitsvertrag ist mehr als ein Blatt Papier mit einer Unterschrift. Er regelt viele wichtige Aspekte Deines Jobs und gibt Dir Sicherheit. Es lohnt sich, genau hinzuschauen und alles gründlich zu prüfen. Wenn Du auf Nummer sicher gehen willst, kannst Du cleverklagen jederzeit gerne um Rat fragen. Unsere erfahrenen Anwälte wissen ganz genau, worauf zu achten ist und wo sich solche Sätze verstecken können. Melde Dich hier für ein kostenfreies Beratungsgespräch an.
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